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  • Peter

Igelglück - wie alles begann. Und wo soll das noch hinführen…?

Aktualisiert: 16. Okt 2020


Wie auf unserer Homepage bereits angerissen, wohnen wir mitten in Düsseldorf mit einem sehr großen Garten. Der Grafenberger Wald ist nicht weit, ebenso Ost-, Zoo- und Haniel-Park. Unser Grundstück ist Teil eines Carées weiterer Häuser ebenfalls mit Gärten - insgesamt dürfte das gesamte Areal beinahe einen Hektar messen. Früher einmal war hier bei uns wohl eine Gärtnerei, weshalb wir einen großen Baumbestand haben, der allerdings vom Pfingststurm „Ela“ vor einigen Jahren empfindlich reduziert wurde. Ich habe ehrlich gesagt limitierte Kenntnisse vom Gärtnern und noch begrenztere Zeit - allein schon deshalb lassen wir es gerne verwildern.

Wir haben stets registriert, dass sich neben den üblichen Verdächtigen wie Eichhörnchen, Sing- und Wildvögeln, Spechten, Eichelhähern und natürlich Krähen, Elstern, Tauben und Mäusen - sowie im steigenden Maße auch die lauten Halsbandsittiche - auch Igel im Garten tummeln. Darüber hinaus kommen ein Bussard, eine Eule, Wildkaninchen sowie Nachbars Katze öfters zu Besuch. Insgesamt haben wir uns in der ersten Zeit - wir wohnen hier seit Ende 2016 - aber nicht weiter um die Fauna gekümmert, außer dass unsere Kinder die Vögel und Eichhörnchen immer gerne fütterten.


Ein Igel am helllichten Tag


Eines helllichten Tages im Dezember jedoch schlich ein Igel über den Rasen, was uns in zweierlei Hinsicht bemerkenswert erschien: eigentlich sollte er Winterschlaf halten und tagsüber sowieso nicht wach sein. Also haben wir begonnen, uns mit dem Thema Igel - ihren Gewohnheiten, Bedürfnissen und Lebensbedingungen - zu beschäftigen, also: Internet & Bücher. Zudem habe ich mehrfach mit einer äußerst netten Düsseldorferin telefoniert, die seit Jahren privat eine Igelhilfe anbietet. Wir haben dann angefangen, Unterschlupfe und Futterstationen zu errichten und nachts Wildkameras aufzustellen, um die Tiere besser „kennenzulernen“. Seither wissen wir auch, dass uns regelmäßig ein Fuchs besucht.

Mittlerweile haben wir zwölf Futterhäuschen - ich verwende dafür kleine Holzkästen aus dem Baumarkt, in die ich Eingangslöcher säge - sowie rund ebenso viele Schlafplätz - entweder gekauft, selbst gebaut oder aus Naturmaterialien wie Holzstößen angelegt. Sowohl die Eingänge zu den Unterschlupfen als auch zu den Futterhäuschen sollten nicht zu groß sein (ca. 8 x 8 - 10 x 10 cm), da sonst Katzen oder andere Tiere an das Fressen gehen (Mäuse kann man natürlich nicht verhindern). Zudem sollten die Igel- und Futterhäuser mit Steinen beschwert werden, obgleich der Fuchs ständig versucht, sich unten drunter durchzugraben - mal schauen, wie weit er kommt.


Zulauf im Herbst


Trotz der Kameras wissen wir nicht genau, wie viele Igel derzeit bei uns im Garten leben. Neulich war eine ganze Gang unterwegs - wahrscheinlich Mutter mit Anhang. Drei Häuser sind definitiv bewohnt, allerdings neigen Igel durchaus dazu, ihren Schlafplatz zu wechseln - zum Beispiel, wenn es ihnen im Sommer zu heiß wird. Einen Igel können wir sehr gut identifizieren, da ihm wie gesagt ein Fuß fehlt - wahrscheinlich ein Mähroboter von nebenan. Zudem tummeln sich seit einigen Wochen vermutlich drei Jungtiere im Garten. Gestern Abend beim Füttern bin ich fast auf einen drauf getreten - er war früher unterwegs als gewöhnlich. Normalerweise sind die Igel zwischen neun Uhr abends und ca. fünf Uhr morgens aktiv - vielleicht bereiten sie sich jetzt schon auf den Winterschlaf vor, futtern sich Speck an und suchen geeignete Schlafplätze.


Ich halte nicht viel davon, menschliche Attribute auf Tiere anzuwenden - also zu „vermenschlichen„ - aber man kann wohl sagen, dass Igel eher „eigen“ sind. Sie sind Individualisten, Einzelgänger, nicht unbedingt gesellig; die Männchen kehren den Weibchen nach der Paarung umgehend den Rücken. Ob und welche Nahrung sie annehmen, hängt ebenso von ihrer Laune ab, wie die Wahl des Schlafplatzes. Oftmals ziehen sie ein selbst angelegtes Laubnest einem Igelhaus vor - oder sie wechseln wie gesagt ihren Unterschlupf. Igel taugen garantiert nicht als Haus- oder Kuscheltier (pieksen ja eh zu sehr…), sie wollen in Ruhe gelassen werden. Insofern sollte man sie auch auf keinen Fall stören oder gar umbetten, um sie in einen aus unserer Sicht „gemütlicheren“ Schlafplatz umzulegen - die Igel suchen sich das selbst aus. Wenn wir einen Igel geliefert bekommen, setzen wir ihn in ein freies Haus - ob er das annimmt, ist seine Sache.


Urviecher


Igelformen gibt es bereits seit Jahrmillionen, so Wikipedia. Sie haben nur wenige natürliche Feinde, vor allem wohl Dachse und Uhus. Umso erbärmlicher finde ich es, dass diese Überlebenskünstler nun derart trivialen Umständen wie Rasenmähern zum Opfer fallen. Zumal sie ohnehin keine hohe Lebenserwartung haben: Igel werden in der Regel nicht besonders alt, der prozentual größte Anteil schafft kaum mehr als zwei Jahre. (Wir haben schon tote Tiere im Garten gefunden und dachten zunächst, sie seien erfroren - aber vermutlich war es einfach Altersschwäche.)

Igel können schwimmen, relativ gut klettern (z.B. über Maschendrahtzäune - kann man sich bei Youtube anschauen, echt drollig…) und sie geben häufig Laute von sich, die irgendwo zwischen Grunzen, Röcheln, Knurren, Bellen, Husten oder Schniefen rangieren. Richtig laut wird es beim Sex, dann fauchen die Männchen regelrecht - vielleicht liegt es an den Stacheln, wer weiß - aber wir wollen ja nicht vermenschlichen.


Unterschlupf, Nahrung etc.


Ich habe mittlerweile verschiedene Formen von Igelhäusern ausprobiert, im Netz kann man ganz ordentliche Modelle für überschaubares Geld erhalten, ich gehe da meistens nach (glaubwürdigen) Kundenbewertungen; ehrlich gestanden lohnt sich die Mühe kaum, sich selbst eines zu schreinern. Unsere „selbstgebauten“ Häuser sind Höhlen, die wir aus Baumhölzern, Steinen und Blumentöpfen zusammensetzen und mit Moos abdichten. Der Eingang sollte verwinkelt und das Dach für den Wasserablauf schräg sein. Manche haben einen Holzboden, andere sind unten offen – wir variieren da wie gesagt. Alle unsere Häuser stehen an geschützten, ruhigen und schattigen Plätzen. Wir legen in der Regel Moss, trockenes Gras, viel Laub und manchmal auch etwas Stroh hinein.


Als Nahrung verwenden wir Katzenfutter „Caché“ von Aldi, überwiegend Geflügel mit Gemüse, die Variante Pute ist nicht ganz so fest gepresst und etwas dickflüssig mit Bröckchen - das fressen sie am liebsten. Die kleine Aluschalen sind in der Regel komplett leergefressen und blitzblank sauber geschleckt. (Igel fressen übrigens unglaublich langsam…). Ich gebe zu, wir produzieren damit eine ganze Menge Verpackungsmüll, aber aus hygienischen Gründen müssten wir Mehrweg-Schalen jeden Tag reinigen und das Füttern und Tränken nimmt jetzt bereits einige Zeit in Anspruch, so dass ich mir das erspare.

Um die Igel nicht zu sehr von unserem Futter abhängig zu machen und träge werden zu lassen, befüllen wir nicht alle Stationen immer gleichzeitig und wir legen auch häufig mehrtägige Pausen ein. Angesichts der Tatsache, dass die Igel aber ohnehin jede Nacht rund acht Stunden umherwandern und sich durch Laub, Beete und Büsche wühlen, macht es eh nicht den Anschein, dass sie sich vollständig auf eine Fütterung verlassen oder gar faul würden. Nur jetzt vor dem Winterschlaf füttern wir umfangreich, bei Frost stellen wir Notrationen an Trockenfutter auf. Das Befüllen der Futterstationen und gegebenenfalls Aufstellen der Kameras nimmt mittlerweile einige Zeit in Anspruch, und da es nun bereits recht früh dunkel wird, krieche ich manchmal abends mit einer Stirnlampe durch die Büsche - unsere Nachbarn müssen auch denken, dass wir nicht mehr alle Tassen im Schrank haben, aber was soll man machen.


Jetzt, vor dem Winterschlaf, müssen wir wohl noch die Unterschlupfe reinigen. Igel sind nicht besonders stubenrein, mir scheint, dass insbesondere die jüngeren Tiere überall hinkacken. Insofern sollten die Futterhäuschen auch immer mal wieder umgestellt werden. Ich bin nicht besonders pingelig, aber mittlerweile denken wir über Handschuhe nach - der Fuchs verewigt sich auch ganz gerne neben den Fressplätzen. Das Säubern der Unterschlupfe ist kritisch, da sie ja tagsüber schlafen - wir werden es wohl nachts erledigen müssen. Ehrlich gestanden bin ich dann auch ein bisschen froh, wenn sie ab November für ein paar Monate pennen - wir brauchen auch mal Pause.


Im Frühjahr geht's weiter...



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